Sicherlich hast du dich schon einmal gefragt, was machen eigentlich einstige internationale SBW Berlin Stipendiaten, nachdem sie das Stipendienprogramm absolviert haben und in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind. Was passiert dann überhaupt mit den sozialen Projekten? Arbeiten die Absolventen dann auch weiterhin an ihnen? Gibt es Unterschiede zwischen der Projektarbeit in den Heimatländern der Absolventen und der vorangegangenen Projektarbeit in Berlin?

Ein Gespräch mit SBW Berlin Absolvent Enrique Luna
Vor Kurzem sprachen wir hierüber mit einem unserer Absolventen Enrique Luna, der, nachdem er das SBW Berlin Stipendienprogramm im Frühjahr 2023 erfolgreich beendete, in sein Heimatland Mexiko zurückkehrte und sich seitdem dort weiterhin sozial engagiert. Als Künstler verbindet er seine Leidenschaft zu Jazzmusik mit einer tiefen Motivation, anderen durch und mit Musik zu helfen. Seine Konzerte führten ihn während der letzten Monate auch an sehr abgelegene Orte – in ländliche Regionen Mexikos. Dort performte er nicht nur seine eigene Musik, sondern organisierte auch verschiedene Workshops für Musik interessierte Kinder und Jugendliche, die aufgrund der Abgeschiedenheit ihrer Wohnorte sonst eher selten die Gelegenheit erhalten, an solchen Events teilzunehmen. In unserem Gespräch erzählte uns Enrique, wie er mit seinem in Berlin konzipierten Projekt „Música y Movimento“ in Mexiko vorankommt und mit welchen Herausforderungen er dort bezüglich der Projektweiterentwicklung konfrontiert ist.

Enriques Tipps zu Networking
Zuerst wollten wir wissen, wie es Enrique überhaupt geht und wie sein Besuch in Deutschland bisher verlief. Deshalb baten wir ihn, eine Farbe auszuwählen, die am besten seine Stimmung beschreiben würde. Sofort antwortete er „hellblau“ und „intensives Orange.“ Wir waren neugierig und wollten Genaueres erfahren, denn diese zwei Farben waren doch sehr unterschiedlich. Er erklärte, dass er sich sehr ruhig und gelassen fühlte – deshalb das „Hellblau“ – die letzten Tage aber für ihn auch sehr emotional und aufwühlend waren – daher das „Intensive Orange“. Anfang April organisierte er ein großes Konzert in Mexiko City, in dem er sein neues Album vorstellte. Danach flog er nach Deutschland, um ein Jazz Festival in Bremen zu besuchen. Er wollte nicht nur die Musik anderer Künstler hören, sondern auch seine eigene vorstellen und neue Kontakte knüpfen. Er verriet, dass er, obwohl er als Musiker – sei es als Solokünstler oder als Teil (s)eines Ensembles – natürlich oft auf einer Bühne steht und vor einem Publikum spielt, Networking auch anstrengend und teilweise auch beängstigend findet. Denn man muss seine Arbeit gut präsentieren können, damit auch wichtige Leute sie interessant finden und ihre Unterstützung anbieten. In solchen nervenaufreibenden Situationen muss man aber, sagt Enrique, trotz Angst einfach weitermachen und wird dann damit belohnt, zu wissen, dass man solche Situationen selbstständig überwunden hat. Natürlich kann man dann auch ein bisschen Stolz auf sich selbst sein, meint Enrique.

Unterschiede zwischen der Projektarbeit in Berlin und Mexico City
Während seiner Förderzeit in Berlin, war Enrique als SBW Berlin Stipendiat sehr sozial engagiert und arbeitete mit verschiedenen sozialen/gemeinnützigen Einrichtungen, u.a. dem Diakoniewerk Simeon und GSTBT, zusammen. Deshalb wollten wir natürlich auch erfahren, wie sich Enriques Projektarbeit in Mexiko gestaltet und woran er momentan arbeitet. Anfangs war es, Enrique zufolge, in Mexiko schwer genauso proaktiv im sozialen Bereich zu sein, wie zuvor in Berlin. In Berlin gab es eine Struktur, die sein Projekt verfolgte, und eine Routine, Workshops und Events bei verschiedenen Organisationen anzubieten. In Mexiko musste er sich erst einen Überblick verschaffen und herausfinden, wie er am besten sein Projekt und die erstellten Aktivitäten umsetzen konnte. Deshalb konzentrierte er sich zunächst auf seine Musik und Konzertauftritte. Allmählich kamen Workshops dazu, in denen er über Musik und ihre Wirkung bezüglich Gefühlsregulierung sprach und hierzu wieder Aktivitäten vorbereitete. Die Zielgruppe seines Projektes änderte sich aber in Mexiko. In Berlin, erzählte Enrique, waren die Teilnehmenden der Workshops aufgrund der Zusammenarbeit mit den sozialen/gemeinnützigen Einrichtungen aus vulnerablen Randgruppen. In Mexiko nehmen oft Kinder und Jugendliche an den Workshops teil. Enrique findet dies zwar auch wichtig, er sucht momentan aber nach Möglichkeiten, mit sozialen Einrichtungen in Mexico City zusammenzuarbeiten,
um dort auch anderen Randgruppen zu helfen.

Enriques Zukunftspläne
Gefragt nach seinen Zukunftsplänen als Musiker und in gewisser Weise auch als Projektmanager im sozialen Bereich, verriet Enrique, dass er gerne das weiter machen möchte, was er gerade macht, aber hofft, dass er dabei noch besser wird. Er möchte weiterhin Musik machen, reisen und sein soziales Projekt „Música y Movimento“ mit Hilfe von Workshops auch in anderen Ländern der Welt präsentieren und umsetzen. Er wünscht sich, dass ganz viele Menschen die Möglichkeit erhalten, sich mit Musik und durch Bewegung ausdrücken zu können, ihre Gefühle zu äußern und diese auch, falls nötig, lernen zu regulieren.

Zum Schluß fragten wir Enrique, welche drei Wörter am besten seine Erfahrungen in Mexiko nach seiner Rückkehr und die Arbeit an seinem sozialen Projekt beschreiben würden. Nach kurzem Überlegen antwortete er: Rediscovery, Freude („joy“) und Vision.

Impact Stories und weitere soziale Projekte anderer Absolventen
Wenn du mehr über Enriques soziales Projekt oder Projekte anderer Absolventen des SBW Berlin Stipendienprogramms erfahren möchtest, besuche doch gerne den Bereich Impact Stories auf der SBW Berlin Webseite. Außerdem posten wir regelmäßig Updates zu den Projekten auf unseren sozialen Medien.